Kunst und Kaffee




Gerade melde ich mich aus San José, wo ich übers Wochenende bei meinen Freunden zu Besuch bin. Eine willkommene Abwechslung, denn die letzten zwei Monate war ich ja nur in Altamira. Mir gefällt es dort nach wie vor unglaublich gut, aber es ist einfach extrem ruhig und ab und zu muss ich dann denke ich doch mal raus aus meinem Mikrokosmos. Gerade hier in der Großstadt fällt es einem noch mal mehr auf, wie anders die Menschen auf dem Land ticken und wie weit mein Dörfchen von einfach Allem entfernt ist. Aber irgendwie gefällt mir das total gut und ich freue mich auch darauf, wieder in die Idylle zurückkehren zu können. Einen unschlagbaren Vorteil hat San José aber auf jeden Fall: hier dauert das Hochladen meines Blogs keine 4,5 Stunden wie beim letzten Mal in Altamira! Gerade waren wir auch deutsch essen im Restaurant unserer Landesmentorin Irmgard. Da haben wir uns erst mal Schnitzel mit Pommes, Spätzle, Knödel und Apfelschorle gegönnt. Ein bisschen Heimat braucht man dann eben ab und zu doch. 


Mein Mitfreiwilliger Max und ich bei Irmgard im Restaurant ;)



In meiner Gastfamilie, im Dorf und in der Organisation lebe ich mich nun mit jedem Tag besser ein und begreife die Strukturen vor Ort immer mehr. So langsam verstehe ich auch die Rolle von AsoProLa als Zusammenschluss der Bewohner von Altamira. Bedingt durch die Kaffee-Krise Ende der 90er Jahre und die immer weiter ansteigenden Lebenshaltungskosten ist das (Über-)Leben vor allem auf dem Land und für kleine Kaffee-Bauern wie hier, nicht wirklich einfach. Viele sind in den letzten 15 Jahren -meist illegal- in die USA geflüchtet und die Mehrheit der Jugendlichen zieht es direkt nach der Schule in die Städte, da sie hier keine Perspektive für sich sehen. Klar, niemand hat Lust sich für einen Hungerlohn 10 Stunden am Tag auf dem Feld abzukrücken, wenn in der Stadt das schnelle Geld wartet. AsoProLa versucht dieser Entwicklung seit seiner Gründung 1997 nun entgegenzuwirken und nach meinen bisherigen Erfahrungen und Kontakten mit den Einheimischen denke ich, dass diese Organisation bereits einiges erreicht hat. Was ich total gut finde ist, dass es immer wieder Treffen mit allen Kaffeeproduzenten gibt, auf denen alle gemeinsam über die nächsten Schritte entscheiden. So wird über niemanden hinweg entschieden. Außerdem behält AsoProLa als gemeinnützige Organisation kaum etwas von dem Gewinn ein, der durch den Kaffee erzielt wird, sondern leitet diesen direkt an die beliefernden Kaffeebauern weiter, die dieses Geld dringend zum Überleben benötigen. Ich finde es einfach irre spannend den Weg eines echten Bio/Fair-Trade Produktes mitverfolgen zu können. In Deutschland habe ich auch öfters auf die Siegel auf den Verpackungen geachtet, aber letztendlich weiß man ja doch nie sicher, ob die Dinge, die Versprochen werden auch eingehalten werden.

Frisch gepfückter Kaffee

Und das Endprodukt von AsoProLa



AsoProLa unterstützt außerdem kleinere Gruppen aus Altamira, die andere Bio-Produkte herstellen, wie zur Zeit z.B. Marmeladen, Honig und Milchprodukte. Diese werden dann im Laden der Organisation an Besucher oder Touristen aus dem Ausland verkauft. Auf dem Organisationsgelände befindet sich auch eine Herberge, deren Gäste eine Einführung bekommen und somit für die Probleme der Region (Landflucht, Ausbeutung, Armut) sensibilisiert werden. Oft wird auch mit Freiwilligengruppen zusammen gearbeitet, die dann Projekte mit Einheimischen durchführen und die örtliche Ökonomie stärken. 


Marmelade aus dem Dorf

Honig, den meine Gastschwester Yendry herstellt

Käse, der bei uns daheim gemacht und weiter verkauft wird. Den da hab ich selbst gemacht :)
 


Eine Person, die auch viel mit AsoProLa und Freiwilligen gearbeitet hat ist z.B. Pancho. Letztens habe ich einen kleinen Ausflug zu seinem „Haus“ unternommen und war einfach nur extrem beeindruckt. Ich hoffe es kommt auf den Bildern einigermaßen rüber, wie verrückt das Ganze ist! Mir war, als würde ich in eine komplett andere Welt eintauchen. Pancho lebt relativ abgelegen auf einem kleinen Hügel in der Nähe von Altamira und hat so seine ganz Eigene Sicht auf die Dinge. Man kann stundenlang mit ihm über Gott und die Welt, Außerirdische und den Sinn des Lebens philosophieren. Im Januar organisiert Pancho dann auch immer ein Festival auf seinem Gelände, das die meisten Einheimischen als gute Christen jedoch lieber meiden. Pancho war es auch, der die zahlreichen Mosaike und Kunstwerke auf dem Gelände von AsoProLa kreiert hat, die einen bedeutenden Anteil der Identität von AsoProLa ausmachen. 

Panchos Haus


seine Werkstatt

noch mal seine Werkstatt

Pancho

Auch das künstlerisch gestaltete Restaurant von AsoProLa ist das Werk von Pancho



 Zum Abschluss möchte ich noch über ein aktuelles Projekt von AsoProLa zusammen mit einer amerikanischen Universität berichten. Da der Kaffeeröster der Organisation vor einiger Zeit kaputt gegangen ist, verlagert sich ein Großteil der Verarbeitung ins nächstgelegene Dorf, wo der Kaffee dann geröstet und verpackt wird. Die Bridgeport Universität aus den USA hilft uns nun mit einem Spendenprojekt, damit wir uns einen neuen Kaffeeröster kaufen können. So würde die Produktion wieder vollständig in Altamira ablaufen und neue Arbeitsplätze entstehen. Also falls jemand gerne spenden möchte oder jemanden kennt, der daran Interesse hat, hier der Link zur Seite des Projekts: 

 
Liebe Grüße und bis bald, 
eure Katja :)







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