Ein bisschen Politik

Hallo ihr Lieben!

Beim letzten Eintrag war ich kurz davor ins Zwischenseminar von Brot für die Welt abzureisen, das in Salitre, einem indigenen Territorium stattgefunden hat. Neben allerlei Themeneinheiten zu unserem Einsatz hatten wir hier die Möglichkeit, eine der indigenen Kulturen Costa Ricas näher kennen zu lernen. Die Bríbrí, die sowohl auf der pazifik-, als auch auf der karibik – Seite Costa Ricas leben haben zum Beispiel immense Kenntnisse im Bereich der Pflanzenheilkunde und praktizieren neben dem Christentum häufig noch eine Art Naturreligion. Für die Bríbrí ist klar, dass ihr Gott Sibú die Menschen aus Maiskörnern hat entstehen lassen, damit diese die Natur pflegen können. So betrachten die Bríbrí ihre Umwelt als heilig und absolut schützenswert. Immer wieder liefern sie sich Kämpfe mit der Regierung, um ihre Territorien und Rechte daran zu erhalten. Nicht immer einfach, denn die Politik versucht indigene Gruppen zu schwächen um im Falle des Falles Zugriff auf Ressourcen in deren Gebiete zu haben. Alles in Allem war die Zeit in Salitre sehr aufschlussreich und interessant. Wir Brot - Freiwilligen haben die Zeit sehr genossen. 

rituelle Stätte der Bríbrí

eine kleine Wanderung

Alle Brot-Freiwilligen + Irmgard unsere Mentorin in der Mitte 

eine Bríbrí - Tanzgruppe am kulturellen Abend 

Kochen mit einfachsten Mitteln

Im Seminar

Wandern zum Sonnenuntergang



Typische Hütten



In den letzten Monaten ging es politisch auch sonst in Costa Rica drauf und drunter, denn hier finden gerade die Präsidentschaftswahlen statt. Nach einer ersten dramatischen Wahlrunde, die kein eindeutig mehrheitliches Ergebnis liefern konnte, geht es nun am 1. April in die zweite Runde. Zur Wahl stehen noch zwei Kandidaten, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die costa – ricanische Gesellschaft nur zu gut widerspiegeln. Zum einen hätten wir da Fabricio Alvarado, ein strenggläubiger Evangelikaler, dessen Wahlprogramm mehr oder weniger inexistent ist bis auf die Verhinderung der geplanten Homo – Ehe. Alle Fragen an Fabricio werden bereits vor öffentlichen Auftritten von ihm und seinem Team selektiert, politische Erfahrung hat der Sänger nicht und an Debatten müsse er laut eigener Aussage nicht teilnehmen weil seine Wähler schon wüssten, was das Richtige ist. Auf der anderen Seite steht Carlos Alvarado (nein, die beiden sind nicht verwandt). Liberal, Modern, politisch erfahren, hat ein ausgearbeitetes Wahlprogramm und eine potentielle Regierung und ist eigentlich ein recht sympathischer, bodenständiger Kerl. Seine Wähler lassen sich vor allem in Städten und höheren Bildungsschichten finden. Die Umfragewerte sprechen aber eindeutig für Fabricio. Warum?! - fragt man sich da als normaldenkender Mensch. Es hat mich immer wieder gewundert mit wie wenig Information Fabricio seine Wähler überzeugen konnte und damit bereits als führender Kandidat aus der ersten Runde herausging. Aber der religiöse Hardliner ist gegen die Homo – Ehe und gegen die Einführung von Sexualkundeunterricht an weiterführenden Schulen und trifft damit den Nerv der Ticos. Nach wie vor ist Costa Rica ein zutiefst religiös geprägtes Land, in dem die beschriebenen Neuerungen den meisten Menschen alles andere als zusagen. Auf mich persönlich hat die Vermischung von Religion und Politik noch nie einen guten Eindruck gemacht und ich hoffe, dass Costa Rica am 1. April die richtige Entscheidung trifft. 

Fabricio: viele Wählen ihn angeblich weil er so gut aussieht...

Carlos Alvarado 


Nach dem ganzen Wahl – Drama habe ich aber auch ein paar sehr schöne Sachen zu berichten.  Vor zwei Wochen haben wir Erfahren, dass mit Hilfe einer amerikanischen Universität genug Spenden gesammelt werden konnten um für AsoProLa einen Kaffee – Röster zu kaufen. Das bedeutet einen riesen Fortschritt, nicht nur für die Organisation, sondern auch für viele Familien hier vor Ort. Es werden neue, bezahlte Arbeitsplätze in der Kaffeeproduktion entstehen und in der Zukunft soll AsoProLas Kaffee auch im Internet erhältlich sein. Diese Neuigkeit hat mich riesig gefreut, denn in den Wochen vorher haben gleich zwei Familien bekannt gegeben, dass sie in den nächsten Monaten in die Stadt abwandern werden. Die Lebensbedingungen für viele Menschen hier sind einfach oft wirklich schlecht. Aber ich hoffe, dass mit den neuen Möglichkeiten für AsoProLa auch mehr Möglichkeiten für die Leute vor Ort entstehen.

Ein weiteres Highlight im Februar war dann der Besuch von meinem Vater. Zwei Wochen lang sind wir gemeinsam durch Costa Rica gereist und haben Nebelwälder, den Strand und Altamira besucht. Ihm ging es genauso wie mir, denn er hat die Idylle in meinem Zuhause genauso genossen wie ich. Für mich war es außerdem schön das erste Mal jemanden von zu Hause vor Ort zu haben, der endlich einmal all das sehen kann von dem ich nur in Bildern oder am Telefon berichte. Und jetzt warte ich schon auf den nächsten Besuch. Gerade befinden sich nämlich meine Mama, mein Papa Jörg und eine meiner Schwestern auf der Anreise nach Costa Rica. Ein paar Stunden noch und ich kann sie endlich hier in die Arme schließen. Ich freue mich total!


bisschen Windig wars

die Nebelwälder von Monteverde 



Bis zum nächsten Mal,

eure Katja

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